Vakuumpumpenhersteller Leybold feiert 170. Geburtstag

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Ernst Leybold

Den Grundstein des Erfolges legte aber der Kaufmann Ernst Leybold als er 1850 aus Rothenburg ob der Tauber nach Köln zog und sein erstes Unternehmen gründete – zunächst als Kommissions- und Speditionsgeschäft für Medizingläser, Salbentöpfe, Thermometer und Waagen. 1854 erweiterte er sein Angebot um physikalische, pharmazeutische und chemische Apparate. 1870 verkaufte Leybold schließlich sein Geschäft, das jedoch weiter unter dem Namen E. Leybold’s Nachfolger firmierte.

Dr. Wolfgang Gaede

Der Siegeszug der Vakuumtechnologie begann im Jahr 1906 durch die Zusammenarbeit mit Dr. Wolfgang Gaede, Professor für Physik in Karlsruhe. Gaedes Arbeitsethos war von Effizienz geprägt: „Wenn ich aus wissenschaftlichem Interesse einer Idee nachgehe, springt immer eine Erfindung dabei heraus“. Entsprechend ergiebig war die Kooperation zwischen Leybold und Gaede: Unter anderem brachte sie Innovationen hervor, deren Bedeutung heute noch sehr hoch sind, wie etwa die Erfindung der Molekularluftpumpe, das Grundprinzip der Turbomolekularpumpe (1911) sowie die Nutzung der Diffusionspumpe (1913).

Diffusionspumpen haben keine beweglichen Teile – ihr Funktionsprinzip basiert auf dampfförmigen Treibmitteln und ermöglicht einen zuverlässigen, wartungsarmen Betrieb. Die robusten „Arbeitspferde“ werden heute noch in Applikationen eingesetzt. Aber auch Gaedes 1935 patentierte Gasballasteinrichtung zum effizienten Abpumpen von Dämpfen findet sich heute noch in vielen Anwendungen.

Meilenstein der Vakuumbeschichtungstechnik

Den Beginn der Vakuum-Metallurgie markiert das Jahr 1913. Zu diesem Zeitpunkt entwickelte der Leiter des Physikalischen Versuchslabors der W.C. Heraeus GmbH, Dr. Wilhelm Rohn, in Hanau ein Verfahren, um hochreine Metalle unter Vakuum zu schmelzen. Unterbrochen durch den ersten Weltkrieg wurde das „Verfahren zum Vakuumschmelzen und Vergüten von Metallen und Legierungen“ allerdings erst nach dem Krieg, im Jahr 1918, patentiert. 1931 gelang es Wilhelm Carl Heraeus Metalle auf Glas aufzudampfen – ein weiterer Meilenstein der Vakuumbeschichtungstechnik.

Industrielle Nutzung des Vakuums

Im selben Jahr trat bei E. Leybold’s Nachfolger mit Dr. Manfred Dunkel ein Geschäftsführer an, der das Unternehmen erfolgreich und lange (bis 1967) leitete. Die Epoche war prägend, auch weil die Vakuumtechnik in dieser Zeit zunehmend industriell genutzt wurde. Entsprechend waren neben technischen und naturwissenschaftlichen Kenntnissen nicht zuletzt Managementfähigkeiten gefragt, um die Erkenntnisse in verfahrenstechnische Anwendungen zu bringen.

Vakuum- und Verfahrenstechnik im Portfolio

Bereits in den Jahren 1948 und 1955 sicherten sich die Metallgesellschaft AG sowie die Degussa AG Beteiligungen an E. Leybold’s Nachfolger. Daraus ergaben sich Synergien, die den Erfolg auf den Weltmärkten sicherten und 1967 zur Fusion von E. Leybold’s Nachfolger und der Heraeus Hochvakuum GmbH führten. Das Resultat war ein gut gemischtes Portfolio aus Vakuumtechnik und Vakuum-Verfahrenstechnik. Flankiert wurde das weitere Wachstum durch Produktentwicklungen wie die Kryopumpen mit flüssigem Helium (1962) sowie Helium-Lecksucher. Im Jahr 1963 wurden zudem erstmals Ionenzerstäuberpumpen präsentiert.

Die 1980er Jahre waren geprägt durch starkes Wachstum, sodass Leybold 1987 auf rund 5.600 Mitarbeiter angewachsen war und einen Umsatz von über einer Milliarde D-Mark erzielte. Noch im selben Jahr erfolgten grundlegende Umstrukturierungen in den Eigentumsverhältnissen: Die Metallgesellschaft schied als Gesellschafter aus und auch W.C. Heraeus trennte sich von den Anteilen – alleiniger Gesellschafter war nun die Degussa. Als „Leybold AG“ wurde die Zentrale nach Hanau verlagert, mit der Folge, dass sich in Köln die Vakuumtechnik, in Hürth die Naturwissenschaftlich-technischen Lehrmittel und in Hanau die Vakuum-Verfahrenstechnik ansiedelten. Mit der Öffnung des Eisernen Vorhangs im Jahr 1989 und ökonomischen Verwerfungen der westlichen Industriestaaten geriet die neue Leybold AG in große wirtschaftliche Turbulenzen, in deren Folge die Degussa 1994 ihre Anteile an die Oerlikon-Bührle Gruppe (Schweiz) verkaufte und Leybold 1995 mit der Balzers AG zur Balzers und Leybold Gruppe zusammengeführt wurde.

1997 gründete die Leybold GmbH eine hundertprozentige Tochtergesellschaft in China, um ab 1998 von dem hohen Potenzial der aufstrebenden Wirtschaftsregion und der Kundennähe zu profitieren. Im Jahr 2000 erfolgte die Umbenennung der Oerlikon-Bührle Gruppe in UNAXIS, einhergehend mit weitreichenden Restrukturierungen durch die Fokussierung auf Halbleiternahe Technologien. Dies erforderte Innovationen in der Herstellungstechnologie: Mit der Eröffnung des neuen Kölner Fertigungsgebäudes für die Hochvakuumtechnologie 2004 kam Leybold den gestiegenen Anforderungen in der Forschungs- und Entwicklungsarbeit nach. Gestützt durch wirtschaftliches Wachstum erfolgte 2006 die Umbenennung des UNAXIS Konzerns in Oerlikon. Leybold firmierte bis zum Verkauf an Atlas Copco als Oerlikon Leybold Vacuum.

Im Jahr 2016 übernahm die schwedische Atlas Copco AB Leybold zu 100 Prozent. Atlas Copco ist ein Multi-Brand Konzern mit Kunden in mehr als 180 Ländern und rund 37 000 Mitarbeitern. Leybold ist heute Teil des Geschäftsbereichs Vacuum Technique von Atlas Copco. Dabei setzt Atlas Copco auf die traditionelle Markenstärke von Leybold und auf die Ergänzung des innovativen technologischen Know-hows.

www.atlascopcogroup.com

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