Von der Kartoffelflocke zur Hochtemperaturpumpe

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Autor: Thomas Bleif

Der Pumpenpionier Emile Egger in seinem Büro im Neuenburgischen Cressier, Schweiz.

Was haben Kartoffeln mit Pumpenbau zu tun? Der Verfahrensingenieur Emile Egger plant und baut im Januar 1944 die Kartoffelstärkefabrik Cisac SA in Cressier in der Westschweiz, die Aufgabe erweist sich jedoch durch den kriegsbedingten Mangel an Baustoffen als besonders schwierig. Im September 1944 ist die Anlage dennoch anfahrbereit. Ein sehr gutes Kartoffel-Erntejahr wird für die Stärkefabrik zur Katastrophe, denn alle Pumpen versagen und können das stark gashaltige und schäumende Gemisch aus Fruchtwasser, Kartoffelpulpe und Stärke nicht fördern. In schlaflosen Nächten entwickelt Emile ein Speziallaufrad und setzt dieses in die bestehenden Pumpen ein. Am 2. Oktober 1944 läuft die Stärkefabrik Cressier einwandfrei und die Stärkefabrikation kann stetig optimiert werden.

Die Fabrikation von Futterflocken in der Stärkefabrik Cressier war jedoch kriegsbedingt und mit Ende des 2. Weltkriegs wurde auch der Betrieb zurückgefahren. Im Dezember 1946 meldet Emile Egger die Egger-Pumpe in 25 Staaten zum Patent an und entschließt sich, seine eigene Pumpen-Fabrik auf der anderen Straßenseite zu eröffnen.

Die neue gegründete Pumpenfabrik Emile Egger gegenüber der Stärkefabrik Cressier im November 1948.

Am 29. Oktober 1947 läuft die erste Drehbank der Pumpenfabrik Emile Egger und die junge Firma produziert mit einem Zeichner, einem Dreher und einem Monteur die ersten eigenen Egger-Pumpen. Im April 1948 wird die Einzelgesellschaft in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt; zu den ersten Kunden zählen große Papierfabriken wie Biberist, Balsthal, Landquart aber auch Chemiewerke wie Geigy und die Maschinenfabrik Escher-Wyss. In der Zeit des Wiederaufbaus ist der Bedarf an Pumpen in der Schweiz und Deutschland enorm und die revolutionäre Pumpe findet bei zahlreichen Lizenznehmern einen großen Anklang. Zu den Hauptapplikationen zählten damals die Förderung von Stärke-, Zellstoff- und Nitrozellulose. Als erstes Schweizer Unternehmen führt Emile Egger 1949 die 5-Tage-Woche ein.

Schon bald wird Egger führend in der Automatisierung des Stoffauflaufs für Papiermaschinen und neben Dickstoffpumpen liefert die Firma komplette Schaltanlagen, Armaturen und Rohrleitungen. In den frühen 50er Jahren baut Egger seine ersten Rohrbogenpropellerpumpen, die vorwiegend in der Salzindustrie ihren Einsatz finden. Ende der 50er Jahre laufen in unzähligen Industriebetrieben Egger-Pumpen mit einem Schwerpunkt in der Papierindustrie. In dieser Zeit wird auch der Iris® Blenden-Regulierschieber geboren, ein neuartiges hochpräzises Regulierorgan. Durch die Fähigkeit auch dickflüssige und faserhaltige Medien regeln zu können, findet der patentierte Iris Schieber hauptsächlich in der Papier- und Zuckerindustrie seinen Einsatz.

Ein entscheidender Meilenstein in der Firmengeschichte ist die Entwicklung der einzigartigen Turo® Freistrom-Pumpe, die Mutter der Vortexpumpen, die in Kürze weltberühmt wird. Diese revolutionäre Pumpe mit völlig freiem Pumpendurchgang wird zum Markenzeichen der Firma Egger und trägt entscheidend zum stetigen Wachstum des Unternehmens bei. Im Jahr 1959 wird sie in über 30 Ländern zum Patent angemeldet. Die Turo Pumpe eröffnet völlig neue Märkte und Egger macht sich über die Jahre als Problemlöser bei schwierigen, zu Verstopfung neigenden Medien einen Namen.

Ein Messestand von Weise-Monski mit dem Egger Portfolio in den 1950er Jahren.

Auch in dem vom Wiederaufbau geprägten Deutschland wird der Marktbedarf für die Turo stetig größer. Deshalb entscheidet sich Egger, die Zusammenarbeit mit dem Lizenznehmer Weise-Monski zu beenden und ein eigenes Vertriebsbüro in Deutschland zu eröffnen. 1959 wird in der Schleiermachstraße 5, an der Augustaanlage der Grundstein für die Egger-Niederlassung Mannheim gelegt. In den Anfangsjahren kümmert sich Walter Egger persönlich mit Herrn Nagelsmeier um den Aufbau des Vertriebsnetzes und um die Präsenz beim Kunden. Im November 1977 ziehen das Vertriebsbüro und die Werkstatt nach Mannheim-Neckarau in die Wattstraße um.  Heute feiert die Niederlassung Mannheim ihr 60-jähriges Firmenjubiläum und plant weiteres Wachstum.

Die Pumpenfabrik Emile Egger in Cressier, Neuenburg (CH) Ende der 1950er Jahre.

Ende der 1970er Jahre wird ein breit angelegtes Forschungsprojekt lanciert und gipfelt 1978 in der Eröffnung eines hydraulischen Forschungsinstituts im Neuenburgischen Lignières. Trotz der schweren Wirtschaftslage im Kanton, bei der viele Betriebe in den 1980er Jahren schließen müssen, legt die Firma Egger im Jahr 1981 Patente für eine völlig neu entwickelte Freistrompumpen-Generation nieder. Mitte der 1980er Jahre entsteht die Prozesspumpen-Baureihe EO/EOS als Weiterentwicklung der ursprünglichen Egger-Pumpe. In den nächsten Jahren folgen zahlreiche Produktanpassungen und Sonderentwicklungen und Egger festigt seinen Namen als Prozessoptimierer und Problemlöser.

Die Emile Egger Niederlassung Deutschland / Luxemburg in Mannheim-Neckarau.

In dieser Zeit wird auch der Iris® Blenden-Regulierschieber weiterentwickelt und findet in der Abwasserbranche eine neue Anwendung. Mit der Verschärfung der gesetzlichen Vorgaben für die Abwasserreinigung in den 1980er Jahren ändert sich auch die Verfahrenstechnik in den Kläranlagen und für die biologische Reinigungsstufe in der Nitrifikationsstufe ist eine präzise Lufteintragsregelung entscheidend. Erstmalig wird der Iris® Blenden-Regulierschieber in der Kläranlage Heidelberg zur Belebungsluftregelung eingesetzt. Durch seine einzigartige Bauform eignet sich der Schieber besonders gut um hohe Durchflussmengen mit niedrigen Differenzdrücken zu regeln. Heute wird der Schieber weltweit in Kläranlagen zur Belebungsluftregelung eingesetzt und ist als energiesparende Regelarmatur eine Referenz.

Mit der Einführung der Prozesspumpenbaureihe HT/HPT Ende der 1990er Jahre werden neue Märkte für Reaktoranlagen in der Chemischen Industrie für hohe Temperatur und hohe Systemdrücke erschlossen. Es folgen viele anwendungsspezifische Sonderpumpen, welche unseren Kunden langfristig und individuell ihre Produktivität sicherstellen.

In den letzten Jahren ist die Förderung von Rohabwasser für viele Betreiber zunehmend anspruchsvoller geworden, was vor allem durch eine Aufkonzentrierung der Abwasserschmutzfracht und einer starken Zunahme von reißfesten Feuchttüchern verursacht wird. Egger hat sich der Verstopfungsproblematik von Rohabwasserpumpen angenommen und im Jahr 2012 eine neu entwickelte Freistrompumpe zum Patent angemeldet. Die Turo® TA Freistromhydraulik für Rohabwasser sorgt durch ihren störungsfreien Betrieb für eine hohe Betriebssicherheit und ermöglicht eine deutliche Reduzierung der Betriebskosten. Sie hat sich seit Jahren in vielen Pumpstationen bewährt, auch bei kritischen Anlagen, die vorher regelmäßig zu Verstopfungen neigten.

Die Werkstatt der Kreiselpumpenfabrik Emile Egger Ende 2016.

Heute werden alle Pumpen nach Kundenwunsch frei konfiguriert und in allen metallischen Werkstoffen oder am Markt verfügbaren Abdichtungen angeboten. Unser regionaler, endkundenorientierter Service rundet das Portfolio an Prozesspumpen ab.

Als unabhängiges Familienunternehmen hat Egger im Laufe der Jahre Tochtergesellschaften in zehn europäischen Ländern, in Asien und in Nordamerika aufgebaut. Ein Netzwerk von Handelspartnern ergänzt die Präsenz in Kundennähe.

In der über 70-jährigen Firmengeschichte konnte Egger durch die Nähe zum Kunden die revolutionären Produkte der Anfangsjahre stetig verbessern und auf die geänderten Kundenbedürfnissen anpassen. Der hohe Qualitätsanspruch und auf Langlebigkeit ausgerichtete Produkte verkörpern zusammen mit Schweizer Innovationsgeist die Philosophie der Firma Egger.

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