Vom Tränkebecken zur High-Tech-Pumpe

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Als Karl Dickow am 3. September 1910 in Gablonz (Sudetenland) mit der Eintragung ins Handelsregister eine Installationsfirma gründete, konnte er nicht ahnen, dass er den Grundstein für eine mittlerweile auf allen Kontinenten vertretene High-Tech-Schmiede der Pumpentechnologie gelegt hatte.

Doch zurück zum Anfang … Durch die veränderte geografische Situation nach der Beendigung des 1. Weltkrieges baute Karl Dickow seine Firma in Görlitz neu auf und

Abb. 1 Tränkebecken Patent Dickow

begann mit der Entwicklung von Selbsttränkebecken Patent Dickow (Abb. 1). Diese wurden 1921 zum ersten Mal eingebaut. Mit dieser Vorrichtung konnten sich die Tiere erstmalig ohne menschliche Hilfe selbstständig mit Wasser versorgen. Zusätzlich wurden Flächenberegner entwickelt und vertrieben. Da das Wasser aber aus den überwiegend vorhandenen Tiefbrunnen nicht selbst zu den Tränkebecken/Beregnern gelangte, musste eine Pumpe geschaffen werden, die das Wasser aus den Brunnen pumpen konnte. Karl Dickow entwickelte eine selbstansaugende Kreiselpumpe die in den frühen 20er Jahren zum Patent angemeldet wurde. In den weiteren Jahren wurde diese Technologie immer weiter entwickelt und mit zusätzlichen Patenten abgesichert. Die selbstansaugende Seitenkanalpumpe war geboren (Abb.  2).

Abb. 2 Selbstansaugende Seitenkanalpumpe

Als dann Mitte der 30er Jahre die Firma Dickow anfing Kreiselpumpen für die deutsche Luftwaffe zu entwickeln, fertigen und liefern, mussten neue Fabrikhallen erstellt werden; die Mitarbeiterzahl wuchs relativ schnell auf mehr als 700 Mitarbeitern an (Abb. 3 und 4).

Dieser Aufschwung wurde durch den Ausbruch des 2. Weltkrieges jäh unterbrochen. Görlitz rückte in Frontnähe. Kreiselpumpen waren jedoch enorm wichtig für die deutsche Luftwaffe. Im Februar 1945 erfolgte der Befehl zur Verlagerung der Firma. Es kam jedoch nur ein Bruchteil des Maschinenparks am Bestimmungsort in Arzberg (Oberfranken) an. Nach Beendigung des Krieges wurde die Familie enteignet und die Grundstücke und Gebäude in Görlitz fielen an den Staat zurück. Die einzelnen Familienmitglieder waren in alle Himmelsrichtungen verstreut.

Abb. 3 Dickow-Kraftstoffpumpen
Abb. 4 Vertikale Kraftstoff-Seitenkanalpumpe

Die neu bezogenen Räumlichkeiten in Arzberg wurden nach dem Krieg wieder für die Porzellanindustrie benötigt. So kam es, dass die Familie 1946 sich in Waldkraiburg ansiedelte und nach der Währungsreform 1948 das heutige Betriebsgelände von der ehemaligen Deutschen Spengstoffchemie erwerben konnte. Dort konzentrierte man sich ausschließlich auf die Pumpenproduktion, die aus dem Nichts wieder aufgebaut werden musste.

Nach dem Besuch der ersten Ausstellung der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft DLG im Jahre 1948 ging es in den folgenden Jahren langsam aber stetig wieder aufwärts. Mit der Neuentwicklung der Chemienormpumpenbaureihe wurde neben dem bisher dominierenden Kraftstoffsektor auch die chemische und petrochemische Industrie als Kundenkreis angesprochen.

Um die Elastomerprobleme im Kraftstoffbereich zu umgehen und die Leckagen zu minimieren, wurde in den frühen 60er Jahren eine elastomerfreie Metallbalg-Gleitringdichtung für die Abdichtung der Pumpen entwickelt. Diese Dickow-GLRD ist auch heute noch – natürlich in einem moderneren Design – erfolgreich als Abdichtungslösung im Einsatz.

Die in den 80er Jahren beginnenden verschärften Anforderungen an den Umweltschutz führten zur Entwicklung der hermetisch dichten Chemiepumpe mit Magnetantrieb. 1984 wurde die erste Pumpe mit dieser neuen Abdichtungstechnologie ausgeliefert und 1987 der Zugang zum nordamerikanischen Markt geschaffen. Damit war der Grundstein für einen weltweiten Liefervertrag mit der Großchemie gelegt.

Weitere Anforderungen des Marktes nach einem umfassenden Qualitätssicherungssystem mündeten im Jahre 1994 in einer erfolgreichen Zertifizierung nach ISO 9001.

Weiterhin sorgten neuentwickelte Pumpen nach den amerikanischen Spezifikationen API 610 und API 685 für die weltweiten Anwendungen in der Erdöl- und Gasverarbeitung für neue Erfolge. Es konnten zusätzliche Märkte in den ölfördernden Ländern wie Türkei, Syrien, Saudi-Arabien und Norwegen angesprochen werden.

Ein weiteres Highlight war Anfang der 90er Jahre die Entwicklung der Magnetpumpenüberwachung mag-safe, die 1994 erfolgreich zum Patent angemeldet wurde. Damit war es erstmalig möglich, die bei einer magnetgekuppelten Pumpe im Metallischen Spalttopf induzierten Wirbelstromverluste am Entstehungsort (!) messtechnisch zu erfassen. Aufbauend auf dieser Technologie konnte in den letzten Jahren die …-safe-Baureihe weiter ausgebaut werden. Der patentierte double-safe (Doppelspalttopf) und der shell-safe (Überwachung Keramikspalttopf) wurden erfolgreich in den Markt eingeführt (Abb. 5).

Abb. 5 Die safe-Baureihe

Seit 2003 lenkt Frau Michaela Dickow in vierter Generation die Geschicke des Unternehmens, heute als Gesellschafterin im Verwaltungsrat. Mit 200 Mitarbeitern werden heute ca. 3.000 Pumpen jährlich weltweit ausgeliefert.

Durch die umfangreiche Produktpalette von Kreiselpumpen, Seitenkanalpumpen, mehrstufigen Gliederpumpen, Tauchpumpen und seit Neuestem auch Innenzahnradpumpen können fast alle Industrien in einem Mengenbereich von 0,5 – 1200 m³/h bei einer Förderhöhe bis zu 800 mFlS beliefert werden. Dabei sind Systemdrücke bis zu 160 bar und Temperaturen bis zu 450 °C keine Seltenheit.

www.dickow.de

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