Sie läuft und läuft – die Geschichte der Problemlöser-Kreiselpumpe

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Abb. 1 Besucher von Veranstaltungen oder Fachmessen kennen sie – die Vorführstände von Bungartz. Sie zeigen die Spezial-Kreiselpumpen in Aktion, „denn Begreifen kommt von Anfassen“, so Dipl.-Ing. Frank Bungartz, der das Familienunternehmen seit 2006 in der dritten Generation leitet.

Schon in den 1970-er Jahren entwickelt, sind die Pumpen der Serie V-AN durch ihre Sonderphysik bis heute erklärungsbedürftig. Am Modell (Abb. 1) werden die Unterschiede durch das Fahren im Normalsaugbetrieb oder im abnormalen Betrieb deutlich sicht- und erlebbar. Ob schlechte Zulaufbedingungen oder proble­matische Fördermedien, für Bereiche der chemischen und petrochemischen Industrie, der Kraftwerkstechnik oder des Umweltschutzes sind die erfolgreichen Spezialpumpen zur sicheren Förderung von toxischen Lösungen oder Medien wie Säuren und Laugen und anderen Anwendungen nicht mehr wegzudenken.

Von den Anfängen in die Gegenwart

Bereits der Gründer des Unternehmens, Paul Bungartz, entwickelte vor dem Krieg die „Mackensen-Spezialkreiselpumpen“, die nach seinen Patenten in Magdeburg gefertigt wurden. Für die 1947 gegründete Paul Bungartz GmbH & Co. KG mit Sitz in Düsseldorf legte er mit verschiedenen Patenten den Grundstein. Zwei Jahre nach der Gründung lieferte er eine von ihm entwickelte MOR-Pumpe an die Firma Maizena (heute Cargill). Das M im Namen der Pumpe steht für Maismaische, aus der heute noch Speisestärke gewonnen wird. Die Förderung dieses feststoffhaltigen Mediums galt damals als schwierig. Mit Feststoffen beladene Flüssigkeiten führten (und führen) oft zu Schäden an den Dichtungen und somit zu einem Stillstand der Produktion.

Für die robusten MOR/UMOR Pumpen setzte der Unternehmer die klassische hydrodynamische Dichtung ein. Konsequent nutzt der Hersteller bis heute die physikalischen Vorteile. Eine dieser MOR-Pumpe war über 60 Jahre in Betrieb.

Abb. 2 Frank Bungartz übernahm 2006 die Geschäftsführung.

Diese MOR von einst steht heute als Museumsstück im Schulungsraum am Produktionsstandort in Euskirchen-Stotzheim. Hier in der Eifel entstand Jahr 2000 ein Anbau für einen Online-Prüfstand. In zwei Bauabschnitten (2012-2014) folgten Hallenneubauten unter der Regie von Jürgen Bungartz (Abb. 2). Der Sohn des Gründers, der das Unternehmen von 1987 bis 2006 leitete, unterstützte das Unternehmen als beratender Gesellschafter, Finanzier und Bauleiter bis kurz vor seinem Tod im Jahr 2015.

In den Hallen fertigen, montieren und prüfen Mitarbeiter die trockenlaufenden Spezialkreiselpumpen. Modernste Kommunikationsmittel verbinden den Produktionsstandort mit der Zentrale in Düsseldorf. Entwicklung, Konstruktion, Vertrieb und Administration sind hier seit der Gründung beheimatet.

Technologische Meilensteine

Bereits Anfang der 90-er Jahre wurde die Grundkonstruktion der MPVAN entwickelt, eine selbstregelnde Pumpe mit Magnetkupplung – in der damals klassischen Ausführung mit Gleitlager, aber bereits nullförderstromsicher.

Abb. 3 Eine Entwässerungspumpe

Erweitert wurde 1997 das Programm der Magnetkupplungspumpen durch die Tauchpumpe MPATAN. Mit trockenlaufender Magnetkupplung wird diese Pumpe u. a. in Sloptanks von Raffinerien zur Förderung von Benzin, feststoffhaltigen Kohlenwasserstoffgemischen am Siedepunkt und mit hohen Temperaturen bei einer Tiefe von bis zu sechs Metern eingesetzt.

Anfang des neuen Jahrtausends entwickelte die Spezialisten die MPCVAN. Kern des Konzeptes sind der trockenlaufende Antrieb und die trockenlaufende Lagereinheit. Die MPCVAN förderte ohne weitere Eingriffe von außen selbstregulierend in Abhängigkeit vom Zulaufflüssigkeitsstand wie alle Pumpen der Baureihe V-AN. Sie arbeitet kavitationsfrei, da der NPSHR kleiner als 0,1m ist. Das Konzept wurde auf alle Pumpen-Baureihen und Größen übertragen.

Die Vertikalpumpe MPCV – seit 2016 auch in der Version mit keramischem Spalttopf – ist für besonders schwierige Anwendungen mit Feststoffanteilen geeignet. Die verschleißfeste hermetische Pumpe wird zur Förderung von abrasiven und gefährlichen Produkten beispielsweise Titantetrachlorid eingesetzt. Spezielle offene Laufräder ermöglichen auch die Förderung von feststoffhaltigen und stark gashaltigen Medien.

Ebenso hat sich die Horizontalpumpe MPCHDryRun in zahlreichen Einsatzfällen unter härtesten Bedingungen bewährt. Seit 2006 fördert sie weltweit Medien wie Acrylsäure, Caprolactam oder Phthalsäureanhydrid. Sogar einen mehrtägigen Trockenlauf und Temperaturen bis zu 400 °C beherrscht sie ohne Schaden. Der keramische Spalttopf ermöglicht eine wirbelstromfreie Magnetfeldübertragung, die auch erhebliche Mengen an Energie einspart. Der Lagerträger besteht aus einer Welle mit fettgeschmierten Wälzlagern. Diese haben eine Mindestlebensdauer von 32.000 Stunden – ohne Wartung.

Die Tauchpumpe TCCDryRun, die auch für Zone 0 Anwendungen zugelassen ist, basiert auf der von Bungartz erfundenen DryRun-Technologie und wurde 2015 vorgestellt.

Ebenfalls weiter entwickelt wird die innovative Dichtungs- und Werkstofftechnologie. Mit der im Trockenlauf erprobten Lippendichtung für die selbstregelnden Kreiselpumpen V-AN (2008) oder der SiC-Keramik für den punktuellen Einsatz in verschleißintensiven Bereichen der Slurry-Pumpen (2012-14) erzielt das Unternehmen weitere Erfolge.

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1 KOMMENTAR

  1. Viele Betreiber, die bislang mehr schlecht als recht mit normalsaugenden Kreiselpumpen gearbeitet haben, sind im Prinzip von der (an sich genialen) V-AN begeistert.
    Warum wird dann letztendlich trotzdem auf den Einsatz dieser zulaufgeregelten Pumpe verzichtet.
    Mehrere Gründe müssen angeführt werden:
    – Kostenträger ist der Betreiber, der ja in den seltensten Fällen selbst plant.
    – Die Projektplaner haben nur ein äusserst begrenztes Budget und sind meist nicht im Besitz einer Stabsstelle für Pumpen – also keine Erfahrung mit Pumpen, ohne welche bekanntermaßen kein Tropfen läuft.
    Die Eruierung einer geeigneten Pumpe erfolgt oft erst nach der Behälterplanung und Processpiping. Das Geld ist also größtenteils bereits verplant.
    – Die Begeisterung für die neue Pumpe weicht schlagartig nach der Nennung der Kosten. Das Grundprinzip der Kostenkalkulation gegen Ende eines Projektes oder einer Planung ist das „Bücken nach 50 €, ohne darauf zu achten, dass zugleich aus der Gesässtasche 500 € herausfallen“.
    – Oftmals schwingt auch ein wenig Misstrauen mit, weil die negativen Eigenschaften einer Kreiselpumpe recht bekannt sind, aber auf einmal soll die neue Pumpe tatsächlich fast die „eierlegende Wollmilchsau“ sein.
    An dieser Schraube sollte der Hersteller diese wirklich tollen Pumpe noch drehen, da ist einiges drin!
    Dieser Kommentar ist aus „eigener, mehrfacher und leidvoller Erfahrung“ mit diesem Thema entstanden.

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