GEA Kompetenzzentrum für Hygiene-Pumpen am Hilge-Standort

Ulrich Ahlers (li.) und Alexander Becker

GEA ist nach eigenen Angaben einer der größten Systemanbieter für die nahrungsmittelverarbeitende Industrie und viele weitere Branchen, in denen Steril- oder Hygieneprozesse betrieben werden. Das global tätige Technologieunternehmen konzentriert sich auf Prozesstechnik und Komponenten für anspruchsvolle Produktionsverfahren. Vor rund zwei Jahren hat es mit der Übernahme der Hilge-Aktivitäten von Grundfos einen konsequenten Schritt zum weiteren Ausbau dieses Segments vollzogen. Unter dem Dach der Produktgruppe GEA Flow Components hat GEA nun am Hilge Standort in Bodenheim am Rhein sein Kompetenzzentrum Hygienepumpen etabliert. Das Faszinierende an diesem Kompetenzzentrum ist die einzigartige Synthese aus

  • Anlagenbau-Know-how von GEA
  • mit der traditionsreichen Entwicklungs- und Fertigungskompetenz bei Hygienepumpen durch Hilge.

Dies setzt Synergien frei, die vor allem Anlagenbetreibern in der Getränke-, Brau-, Milch-, Pharmaindustrie und der Feinchemie zu Gute kommen.

Über Aufgaben, Ziele und Chancen dieses Kompetenzzentrums informierten uns Ulrich Ahlers, Leiter Vertrieb von GEA Flow Components & Homogenization, und Alexander Becker, Head of Sales, Steering and Support Hygienic Pumps bei GEA. Schon die Funktionsbeschreibung unserer Gesprächspartner weist auf gelebte Globalität hin. Doch zunächst ein kurzer Blick zurück:

Mit der Akquisition der Hilge-Aktivitäten im Jahr 2015 hat GEA sein Portfolio im Bereich hygienischer Hochleistungspumpen massiv ausgebaut und seine Position als Anbieter von Systemlösungen für hygienische sowie aseptische Prozessumgebungen gestärkt. Ahlers dazu: „GEA hat schon immer sehr viele Hilge-Pumpen in seinen Anlagen eingesetzt. Diese Pumpen sind im Markt etabliert, in nahezu jeder Brauerei oder Molkerei findet man sie. Durch die Übernahme konnte GEA das eigene, sehr übersichtliche Pumpenprogramm auf eine ganz neues Niveau bringen und ist jetzt in der Lage ein Komplettprogramm an Hygienepumpen anzubieten.“

Ende 2016 wurden die GEA-Tuchenhagen- und die Hilge-Pumpen zu zwei völlig neukonzipierten Hygiene-Baureihen (Abb. 2) zusammengefasst. Diese sind

  • die Smartpump-Reihe für Standardanwendungen und
  • die Varipump-Reihe für komplexere Applikationen und höhere Flexibilität.

Abb. 2 Die beiden Baureihen – Smartpump und Varipump – ergänzen sich und eröffnen Lösungen für nahezu alle Anforderungen beim Fördern verschiedenster Medien in Hygieneprozessen.

Ende 2017 folgte nach der technologischen auch die organisatorische Verzahnung: GEA hat dafür die gesamten Aktivitäten rund um die Hygiene-Pumpen nach Bodenheim an den Hilge-Standort (Abb. 4) verlagert. Damit hat GEA ein echtes Kompetenzzentrum für Hygienepumpen geschaffen.

Ahlers dazu: „Am GEA-Standort in Büchen konzentrieren wir uns jetzt ausschließlich auf Hygieneventile. In Bodenheim hingegen stehen künftig alle Hygienepumpen, also auch die Baureihe TP und TPS aus dem Tuchenhagen-Portfolio im Zentrum der Geschäftsaktivitäten. In Bodenheim sitzen jetzt alle GEA-Experten, auch die aus Büchen Hinzugekommenen. Damit schaffen wir es, die umfassende Kompetenz und Erfahrung bei der Entwicklung, Auslegung und Fertigung von Hygienepumpen an einem Ort zu konzentrieren.“

Abb. 3 In Bodenheim hat GEA jetzt rund 160 Pumpenexperten, die sich mit allen Facetten der Hygienepumpen auskennen. Diese Standortentscheidung stärkt auch die Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten rund um Hygiene-Pumpen.

„Gleichzeitig verfügt GEA innerhalb des Konzerns über eine große Zahl von Applikations-Spezialisten, die die Prozesse in Brauereien, Molkereien oder Pharmaunternehmen aus dem Effeff kennen“, so Becker. „Diese GEA-Anlagen- und Prozessspezialisten haben täglich mit den aktuellen und auch meist schon den künftigen Anforderungen der Anlagenbetreiber zu tun. Mit dem unmittelbaren Kontakt zu diesen Prozess-Fachleuten im eigenen Haus haben unsere Pumpenexperten jetzt einen echten Heimvorteil – wir erfahren aus erster Hand, welche Anforderungen an Hygiene-Pumpen gestellt werden. So sind wir in der herausragenden Lage, unsere Pumpen exakt an diese Anforderungen anpassen können. Mit dem fortwährenden Kontakt zu unserem eigenen Anlagenbau können wir aktuelle Entwicklungen frühzeitig in unsere Optimierungen einfließen lassen. Wir sind somit einer der ganz wenigen Pumpenhersteller weltweit, die ihr Ohr so nahe am Markt haben. Dies bietet unseren Kunden einen signifikanten Mehrwert.“

Ahlers ergänzt: „Unsere Expertise im Anlagenbau für Brauereien, Molkereien und Pharmaprozesse ist anerkannt. Aus diesem Kerngeschäft der Prozessplaner und Anwendungsexperten bringen unsere Ingenieure Anforderungen und Ideen für Pumpen mit. Unsere Lösungen entstehen nicht – wie man sagt – am Zeichenbrett, sondern dahinter stehen echte Bedarfsdefinitionen des Marktes, die über unsere Projektingenieure direkt in unsere Pumpenentwicklung durchfließen. Innerhalb unseres Unternehmens ist dies dann kein Pflichtenheft, sondern unsere Applikations- und Prozessexperten sitzen mit den Pumpenentwicklern an einem Tisch.“

Ahlers weiter: „Unsere GEA-Anlagenbauer sind also für unsere Pumpen einerseits ein wichtiger Kunde, der uns andererseits die exklusive Möglichkeit bietet, sich innerhalb des eigenen Hauses über technologische, prozesstechnische oder auch wirtschaftliche Anforderungen offen auszutauschen. Wir befruchten uns gegenseitig und so entstehen echte Synergien, die dem Anlagen- und damit auch dem Pumpenbetreiber zu Gute kommen.“

„Dies spiegeln auch unsere Pumpenbaureihen wider“, so Becker. „Die Smartpump-Baureihe auf der Basis der Tuchenhagen-Tradition ist für Standardanwendungen eine ideale und kostengünstige Lösung, die auch in Großserie verfügbar ist. Mit der Varipump-Reihe haben wir die Basis für individuelle Lösungen und komplexe Applikationen. Damit können wir unseren Kunden maßgeschneiderte Pumpenlösungen bieten. Daran sieht man, wie die beiden traditionsreichen Baureihen sich ideal ergänzen und ein grundsolides Fundament für Weiterentwicklungen sind.“

Verbindungen einfach aufbauen

„Nach der Integration von Hilge haben wir den Vertrieb von Flensburg bis Sonthofen synchronisiert“, so Ahlers. „Das bedeutet, dass alle bisher vorhandenen Partner von Hilge neben der Pumpentechnik nun auch die GEA-Ventile anbieten und alle GEA-Ventilspezialisten nun auch fit gemacht sind, um als Ansprechpartner für Pumpenlösungen zu fungieren. Unsere Experten im Kompetenzzentrum in Bodenheim stehen dabei natürlich für spezielle Fragen hinsichtlich Auslegung, Adaptionen und auch die gesamte Auftragsabwicklung zur Verfügung.“

Eine besondere Stärke des GEA-Konzerns ist die Nähe zu Kunden weltweit. GEA ist in rund 50 Ländern der Erde direkt vor Ort über eigene Niederlassungen oder Vertriebspartner erreichbar. ‚One face to the customer’ ist hier konsequent umgesetzt.

Abb. 4 Die bekannte GEA Hilge Hygia

Neue Märkte mit hohen Zertifizierungsanforderungen im Blick

„Weltweit werden die Anforderungen hinsichtlich der Zertifizierungen komplexer. Diesen Herausforderungen müssen wir uns stellen. Dies ist für GEA Hilge eingebunden in den GEA-Konzern sehr effizientumsetzbar, da sich der gesamte Konzern schon immer mit Zertifizierungsaufgaben auseinandergesetzt hat“, so Becker. „Aktuell haben wir zum Beispiel  die für den US-amerikanischen Markt erforderlichen 3-A-Zertifizierungen für unsere Pumpen der Baureihen GEA Hilge Hygia (Abb. 4) und GEA Hilge TP/TPS  bekommen. Damit erfüllen wir natürlich auch die Anforderungen, die deutsche und europäische Anlagenbauer stellen, die weltweit liefern und ebenfalls den amerikanischen Markt im Blick haben.“

„Um diesen sehr großen Markt konsequent ansprechen zu können, haben wir mit GEA ein perfekt aufgestelltes und seit vielen Jahren etabliertes Vertriebsnetz. Zusätzlich werden wir schon in naher Zukunft unsere Pumpen für diesen Markt vor Ort montieren und mit den speziell gewünschten Antrieben versehen“, so Becker.

Ahlers nennt weitere Aspekte: „Diese Anstrengungen versetzen uns in die Lage, von global agierenden Anlagenbauern weltweit als kompetenter Partner für Hygienepumpen wahrgenommen zu werden. Da sehen wir für unsere Pumpen-, Ventil-, Reinigungstechnik- und Anlagen-Geschäfte noch große Potenziale, die es nun zu heben gilt. Gerade mit Blick auf die amerikanischen Großbrauereien sind wir hervorragend aufgestellt, denn es gibt kaum einen anderen Anbieter, der so viele Komponenten für Hygieneprozesse aus einer Hand bieten kann wie GEA. Ein Ansprechpartner, eine Garantieleistung, eine Beschaffungsquelle – unser Angebot bietet für Anlagenbauer und Anlagenbetreiber weltweit neben dem immer noch geschätzten ‚Made in Germany’ viele weitere entscheidende Vorteile.“

Technologische Synergien

Im Zuge der Verzahnung arbeitet GEA Hilge aktuell daran, Lücken im Pumpenprogramm durch Anpassungen an das Bedarfsportfolio von GEA zu schließen. Ein Beispiel dafür ist die Entwicklung einer Kreiselpumpenvariante für hohe Volumenströme. Über die GEA-Kollegen in Dänemark wurde die Anfrage einer Brauerei aus Afrika gestellt, Pumpen in unterschiedliche in Leistungsklassen zu liefern. Becker zu den Hintergründen: „In diesem Angebotspaket war auch eine Kreiselpumpe der Baureihe Maxa in der Baugröße 250-400 mit einem Volumenstrom von 1.250 m³/h. Eine Pumpe in dieser Größe haben wir damit hier in Bodenheim erstmals gefertigt. Diese erste Pumpe mit einem so großen Volumenstrom öffnet uns völlig neue Angebotsfelder. Zudem wurde für dieses Projekt eine Hochdruckvariante für die Filtration gefordert, die wir so bisher nicht im Programm hatten. Auch diese Lücke werden wir nun schließen.“

www.gea.com

 

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